Kapitel 5 Teil I
Baltimore & Ohio Railroad Company
Ein Stück Eisenbahngeschichte
aus dem wilden Westen !

Eine typische
Aktie der B & O aus dem letzten Jahrhundert.
Stücke dieser Qualität sind bereits für wenig Geld zu haben !
Weitere Shares der Gesellschaft
zum Anschauen...
Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um die erste Eisenbahngesellschaft
der USA. Die Aktien der Baltimore & Ohio Railroad Company sind
wunderschön, zum Teil außergewöhnlich alt und gleichzeitig gut erhalten.
"B & O", das Kürzel der BALTIMORE & OHIO RAILROAD COMPANY, stand für eine
der feinsten Eisenbahnen, die die erste Bahnstrecke in den USA baute und
in einer knapp 100-jährigen Geschichte ein viele tausend Kilometer langes
Streckennetz unterhielt.
Die "Baltimore and Ohio Railroad Company" wurde 1827 gegründet, um den
Vorteil den die konkurrierenden Häfen in New York, Philadelphia durch den
Bau von Kanälen zu Erschließung des Hinterlandes hatten, wieder
aufzuholen. Vorgesehen war der Bau einer für den öffentlichen Verkehr
vorgesehene Eisenbahnstrecke von Baltimore zum Ohio River. Dies war für
die damalige Zeit angesichts der technischen Möglichkeiten und des zu
durchquerenden Geländes ein sehr gewagtes Unternehmen. Eine Alternative
wäre der Bau eines Kanales gewesen, aber auch hier wäre die Überquerung
der Allegheny Mountains technisch äußerst schwierig gewesen.

Aktie der B&O mit einem modernen Zug als Vignette. Besonders wertvoll
sind die Stücke, die mit der Originalunterschrift
von Johns Hopkins unterzeichnet sind:
Dem Stifter der heutigen Johns-Hopkins-Universität von Baltimore.
Die Eisenbahngesellschaft
begann mit 23
Kilometern doppelgleisiger Strecke von Baltimore nach Ellicott´s Mill in
Maryland.
Als am 4. Juli 1828 der
90jährige
Charles Carroll of Carrollton,
der letzte lebende Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, den Grundstein für
diese erste Langstrecke der "B & O" legte, sagte er: "Ich halte das für eine der
wichtigsten Taten meines Lebens, übertroffen nur durch die Unterzeichnung der
Unabhängigkeitserklärung, aber vielleicht genauso wichtig.
Mit den Bauarbeiten wurde am 7. Juli 1828 begonnen. Als erster
Bauabschnitt war eine Strecke zum Potomac geplant. Am 24. Mai 1830 begann der
planmäßige Betrieb auf der in Normalspur ausgeführten Strecke bis Ellicott's
Mill. Die erste in den USA gebaute Dampflokomotive Tom Thumb befuhr am 28.
August 1830 diese Strecke.
Die eigentliche Eröffnung dieser ersten Strecke krönte ein publikumswirksames "Rennen"
Dampflok gegen Pferdegespann. Die kleine Rennlok "Tom Thumb" (=Däumling) baute
der findige New Yorker Geschäftsmann Peter Cooper als Arbeitsmodell, um die
Eisenbahndirektoren davon zu überzeugen, dass die Dampfkraft der Pferdekraft
vorzuziehen sei, aus einem senkrecht stehenden Röhrenkessel mit Rohren aus
abgesägten Gewehrläufen und einem Zahnradantrieb. Die Zugkraft besorgte ein
durch Riemen angetriebenes Gebläse. Am 28. August 1830 koppelte Cooper einen
offenen Wagen an und lud die Direktoren und ihre Freunde - sie trugen zur Feier
des Tages Zylinderhüte - zur Jungfernreise ein. Hocherfreut stellten Coopers
Fahrgäste fest, wie mühelos die Maschine Tempo 25 bis 30 durchhielt. Auf der
Rückfahrt erwartete Cooper eine Pferdebahn des Postkutschenunternehmens Stockton
& Stokes. Diese Gegner der Dampflok bestanden auf einer Wettfahrt. Also: "Tom
Thumb" und der Pferdewagen standen sich auf den Parallelgleisen, die Schienen
waren im übrigen aus eisenbeschlagenem Holz, gegenüber. Ehe Cooper richtig Dampf
aufgemacht hatte, trabte der Gaul kräftig und lag deutlich vorn. Dann kam die
Kleinlok aber auf und lag sogar um Kesselbreite vorn. Mitten im Rennen fing der
Riemen für den Gebläseantrieb an zu schlackern und zu rutschen - der brave
Vierbeiner lag wieder vorn. Einer der Fahrgäste berichtete: "Das
Sicherheitsventil hörte zu pfeifen auf, so dass die Maschine aus Luftmangel zu
prusten anfing. Mr. Cooper, zugleich Heizer und Lokomotivführer, versuchte
verzweifelt die Treibriemen auf dem Rad zu halten, was ihm gründlich misslang
und eine übel zugerichtete Hand einbrachte. Auch das Feuer war nicht mehr zu
entfachen. Während Coopers Schnittwunden noch verbunden wurden, fraß der Sieger
bereits seine Extraportion Hafer.
Cooper war dennoch zufrieden. Die zahlreichen Pressevertreter, Zuschauer und
Gaffer an der Strecke hatten gesehen, worauf es dem pfiffigen New Yorker
PR-Talent ankam: dass so ein Dampfkessel auf Rädern einem strammen Pferd fast
den Schneid abgekauft hätte, fast....
Peter Cooper hatte dieses Rennen verloren, seinen Kampf um die Dampfkraft
aber gewonnen. "Tom Thumb´s" Leistung überzeugte die Direktoren der Baltimore
and Ohio, die anschließend einen Wettbewerb ausschrieben: Sie verlangten eine
Lokomotive, die die steil ansteigende, kurvenreiche Strecke durch die Allegheny
Mountains bewältigen konnte. (Den "Tom Thumb"-Zug mit dem offenen Wagen und den
Ehrengästen mit Zylindern finden wir als Motiv auf vielen Zertifikaten der
Baltimore & Ohio Railroad wieder).
Nur 12 Monate später im Jahre 1829 wurden die Pferde auf der Strecke
Baltimore - Ellicott´s Mill ausgemustert und durch Dampfloks abgelöst.
Der erste amerikanische Bahnhof an dieser Strecke war Mount Clair Station
(Baltimore), heute ein Museum mit mehr als 20 Dampflok´s aus der Zeit und dem
ersten, 1838 gebauten Privatwagen für die Direktoren einer kanadischen
Silbermine.
Der Streckenbau, 1828 begonnen, erreicht 1832 Point of Rocks.
Am 1. Dezember 1831 wurde Frederick (Maryland) erreicht.
1834 Harper's
Ferry, 1835 Eröffnung der Baltimore-Washington Strecke - im gleichen Jahr
Aufnahme des Postdiensts.
1837 wurde der Bau der Brücke über den Potomac bei Harpers Ferry (West
Virginia) beendet. 1842 erreichte das Netz Cumberland und 1853 Wheeling.
Von hier sollen die Güter, dem Ursprungsgedanken nach, dann per Schiff zum
Erie-See weitertransportiert werden. Doch die Entwicklung ist jetzt nicht mehr
aufzuhalten. Im Laufe der Jahre entsteht ein immer dichteres Streckennetz, das
nunmehr auch die Großstädte einbindet.
Ab 1866 begann die Gesellschaft sich weiter nach
Westen auszudehnen. Sie mietete mehrere Strecken und verlängerte somit ihr
Streckennetz von Bellaire (Ohio) über Newark (Ohio) nach Westen nach Columbus
(Ohio) und nach Norden nach Sandusky (Ohio). Von einem Punkt an dieser Strecke,
Chicago Junction (heute Willard (Ohio), baute eine Tochtergesellschaft der B&O,
die Baltimore & Ohio & Chicago, in den Jahren 1872 bis 1874 eine Strecke
nach Chicago. Unter dem Präsidenten John W. Garrett setzte sich der
Streckenausbau, trotz der finanziellen Probleme aufgrund der Panik von 1873,
fort. So wurden eine Strecke von Cumberland nach Pittsburgh (Pennsylvania) „Sandpatch
Route" und eine weitere Verbindung nach Washington in Betrieb genommen.

Eine alte Karte über das Streckennetz der Baltimore & Ohio Railroad
Louis McLane war von 1836 bis 1848 Präsident der Baltimore & Ohio RR. McLane
war ein vornehmer Baltimorer Bürger. Er wurde in Smyrna, Delaware, als Sohn
eines Offiziers der Revolutionsarmee geboren. Mit 14 Jahren ging er zur Marine
und diente unter Stephen Decatur auf der Fregatte "Philadelphia". 1807 wurde er
als Rechtsanwalt zugelassen. Im zweiten Krieg gegen die Engländer beteiligte er
sich als Freiwilliger an der Verteidigung Baltimores, das von den Engländern
angegriffen wurde. Später wurde er zunächst Mitglied des Kongresses, danach
Senator für Delaware. Im Mai 1820 wurde er Minister für Großbritannien,
anschließend Sekretär des Schatzamtes und dann Staatssekretär.
Wie viele andere Eisenbahnen, so wurde auch die Balimore & Ohio RR beinahe
vollständig mit Hilfe eines Kapitals gebaut, das vom Staat, von den Kreisen und
den Stadtbezirken hergegeben wurde. Bei ihrer Gründung bewilligte der Staat
Maryland eine Subskription von 500. 000 Dollar als erste Unterstützung. Die
Stadt Baltimore gab zu diesem Zeitpunkt noch einmal dieselbe Summe hinzu.
Am Anfang stellten die Unternehmer stolz in Abrede, dass sie die Absicht
hätten, irgendwelche weitere öffentliche Unterstützung zu verlangen; die Bahn
würde mit privatem Kapital gebaut werden. Doch schon im Jahre 1835 wurde der
Staat Maryland veranlasst, weitere 3 Millionen Dollar zu zeichnen; dieselbe
Summe zeichnete ein Jahr später auch die Stadt Baltimore. Im Jahre 1838
erhielten die Unternehmer zusätzlich 1 Million Dollar von der Stadt Wheeling.
Nach diesem Geldsegen hielt man sich längere Zeit zurück, bis im Jahre 1850 der
Gemeinderat von Baltimore um weitere 5 Millionen Dollar angegangen wurde, die
man auch erhielt. Allerdings wurde jetzt die Frage aufgeworfen, was mit den
vielen von der Staatskasse beigesteuerten Millionen geworden sei. Ein großer
Teil war augenscheinlich zum Bau der Bahn verwandt worden, aber es wurde doch
offen die Ansicht ausgesprochen, dass die Direktoren sich durch die damals
üblichen "Arbeitsmethoden" bereichert hätten. Doch aufkommende Kritik wurde mit
dem Hinweis auf die Bedeutung der Bahn für das örtliche Geschäftsleben zum
Schweigen gebracht und der Einfluss auf die gesetzgebenden Körperschaften und
die Gemeinderäte tat ein Übriges.

Eine weitere sehr alte Karte über das Verbreitungsgebiet der Baltimore &
Ohio Railroad
Von der Clique der Gründer um ihre Barmittel gebracht, geriet die Baltimore
and Ohio immer mehr in finanziellen Verfall. Trotz der großen Unterstützungen
war sie 1856 praktisch illiquide. John W. Garrett und Johns Hopkins, die schon
an der Gesellschaft beteiligt waren, kauften noch größere Mengen von Aktien, die
zu diesem Zeitpunkt naturgemäß billig waren, auf und erwarben so die
Aktienmehrheit. Garrett war der Sohn eines vermögenden Schiffsherrn, Hopkins
hatte sein Geld im Kolonialwarengeschäft erworben.
Als Beispiel, für die Bahn (und für sich persönlich) Gewinne zu machen, wie
dies in der Folgezeit geschah, sei die folgende Transaktion geschildert: Die
Millionen der für den Bau der Eisenbahn vom Staat Maryland beigesteuerten
Aktiensubskriptionen waren zum großen Teil am englischen Kapitalmarkt flüssig
gemacht worden. Die Zinsen hierfür sollten von Maryland in Gold gezahlt werden.
Die Baltimore and Ohio ihrerseits, die dem Staat die Zinsen zu erstatten hatte,
erreichte aufgrund verschiedener richterlicher Entscheidungen, dass sie die
Zinsen an den Staat Maryland in beliebigem Umlaufgeld zahlen konnte. Unter den
damals zerrütteten amerikanischen Währungs-verhältnissen und beim Sinken der
amerikanischen Valuta bedeutete diese Art der Bezahlung einen dauernden Verlust
für den Staat Maryland, der sich im ganzen auf 400.000 Dollar belief und einen
entsprechenden Gewinn der Bahngesellschaft.
Eine andere Methode, der öffentlichen Hand Geld vorzuenthalten, bestand
darin, dass man für Tochter-gesellschaften Freibriefe und Unterstützungen
verlangte. Als Gegenleistung sollte ein Teil der Passagiereinkünfte an den Staat
abgeführt werden. Durch Verschiebung der Einkünfte zu anderen Gesellschaften
wurde die Finanzlage jeweils so dargestellt, dass kein Geld zur Auszahlung
gelangen musste.
Auch bei der Ausschaltung von Konkurrenzunternehmen war man nicht zimperlich.
So war der Baltimore and Ohio mit der Fertigstellung des Chesapeake and
Ohio-Kanals ein Konkurrent erwachsen, der kein Monopol für den Transportdienst
per Eisenbahn zuließ. Wie "Commodore" Vanderbilt in New York den Erie-Kanal
"ausschaltete", machten sich Garrett und Hopkins daran, die Aktienmehrheit an
der Kanal-Gesellschaft zu erwerben. Diese gehörte dem Staat Maryland und die
öffentliche Meinung, insbesondere die betroffenen Kaufleute, wünschte den
Wettbewerb. So begann Garrett und Hopkins die maßgeblichen Männer des Staates zu
"beeinflussen" und es gelang ihnen tatsächlich, den Kanal in ihre Hände zu
bringen. Anschließend wurden die Frachtpreise sofort erhöht.
Sowohl Garrett als auch Hopkins zogen aus ihrer Herrschaft und ihrer
Behandlung der Baltimore and Ohio-Eisenbahn große Summen. Hopkins´Vermögen
belief sich zum Zeitpunkt seines Todes im Jahre 1873 auf angeblich 10 Millionen
Dollar; damit war er der wohlhabendste Bürger von Baltimore. Die bleibende
Bekanntheit seines Namens sicherte er sich, als er kurz vor seinem Tode etwa 4,5
Millionen Dollar zum Bau eines Hospitals am Baltimore ausgab. Mit weiteren 3,5
Millionen Dollar wurde die "Johns-Hopkins-Universität" gegründet, die später
auch anderen Millionären als Vorbild für Stiftungen diente.
John W. Garrett hinterließ bei seinem Tode im Jahre im Jahre 1884 ein
Vermögen von mindesten 15 Millionen Dollar. Dieser Reichtum ging auf seinen Sohn
Robert Garrett über, der sich jedoch den Geschäften nicht mehr mit dem
erforderlichen Einsatz widmete. So war er nicht in der Lage, anderen
"Eisenbahnkönigen" zu widerstehen, die seine Schwächen erkannt hatten und diese
erbarmungslos ausnutzten. Als er 1896 starb, war sein Vermögen fast dahin und
das Eisenbahnnetz der Baltimore and Ohio RR gehörte der Magnatengruppe (u.a.
Vanderbilt und Scott) der Pennsylvania-Eisenbahn.

Ein ebenfalls sehr frühes Exemplar. Das älteste bekannte amerikanische
Eisenbahnpapier stammt aus dem Jahr 1828.
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Kapitel 5 : Baltimore & Ohio Teil II
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